Altar der Servatiikirche eine der ältesten Kirchen Münsters -In stillem Gebet-

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Die Kirche der Seligen

Münster. "Es ist mir eine unbeschreiblich große Freude, meine bischöfliche Amtsverwaltung zu beginnen durch die Eröffnung der täglichen Anbetung des Allerheiligsten in der St.-Servatii-Kirche zu Münster." In seinem ersten Hirtenbrief schrieb dies am 28. Oktober 1933 Bischof Clemens August Graf von Galen.

Schon als Pfarrer der Gemeinde St. Lamberti, zu der St. Servatii gehört, hatte er den Plan, die tägliche Anbetung einzuführen. Galen sprach in seinem Bischofswort die Hoffnung aus, "dass die katholischen Bewohner der Bischofsstadt, dass auch fern wohnende Diözesanen, wenn sie Münster besuchen, darin wetteifern werden, dem in der St.-Servatii-Kirche täglich zur Anbetung ausgesetzten heiligsten Sakrament ohne Unterlass Lob und Dank, Bitte und Sühne darzubringen".

Tatsächlich ist die Servatiikirche, die täglich von 7.30 Uhr bis 18.30 Uhr geöffnet ist, auch mehr als 70 Jahre danach selten verwaist. Fast immer finden sich Menschen sitzend oder kniend vor dem Allerheiligsten. Im Chorraum ist die verwandelte Hostie, in der nach katholischem Glauben Christus gegenwärtig ist, in einer Monstranz auf einem modernen Podest mit sechs brennenden Kerzen ausgestellt. Die Servatiikirche gehört zu den mittelalterlichen Kirchen Münsters; das Langhaus ist im romanischen Stil erbaut, der Chor trägt gotische Züge. Als Pfarrkirche im 13. Jahrhundert am Rand der Stadtbefestigung erbaut, kam sie später zur Lambertipfarre.

Die Anbetungskirche unweit der Fußgängerzone Münsters ist zugleich eine "Kirche der Seligen". Eine Verbindung zu diesem Gotteshaus haben gleich drei Selige des Bistums:

* In der Kirche wurde die selige Maria Droste zu Vischering (1863-1899) getauft, direkt neben der Kirche – im Erbdrostenhof – hatte sie das Licht der Welt erblickt. Droste zu Vischering trat 1888 den Schwestern vom Guten Hirten bei. 1894 kam sie nach Porto in Portugal. Als Oberin eines heruntergekommenen Klosters war sie dort auch für ein Haus für Straßenmädchen verantwortlich, für die sie sich tatkräftig und erfolgreich einsetzte. 1975 wurde sie selig gesprochen. – Ein Gemälde an der Rückwand der Kirche erinnert an die Selige.

* In unmittelbarer Nachbarschaft der Kirche befinden sich das Mutterhaus der Clemensschwestern und die von ihnen geleitete Raphaelsklinik. In deren Waschhaus arbeitete seit Anfang 1948 die selige Schwester Maria Euthymia (1914-1955). Die Kraft für ihre Arbeit holte sie aus dem Gebet. Oft betete sie in der Servatiikirche. Mitschwestern berichteten, wie Euthymia im Gebet stundenlang versunken ihnen selbst zum Vorbild wurde. "Sie strahlte Gottesnähe aus", erzählte eine Mitschwester. Ihre Seligsprechung war im Jahr 2001. – Die Erinnerung an sie wird ebenfalls durch ein Bild in St. Servatii wach gehalten.

* Nicht zuletzt das Wirken von Clemens August Graf von Galen (1878-1946), dessen Seligsprechungsverfahren erfolgreich abgeschlossen ist, hat Spuren hinterlassen. Eine Gedenktafel erinnert daran, dass er als Pfarrer die tägliche Anbetung in dem Gotteshaus begründete und es als Bischof zur "Anbetungskirche" machte.