die suche nach dem ICH ...

in einer gesellschaft, in der wir immer besser, schneller und stärker sein müssen!
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eine kleine poesie von misme, danke dir!

Wie leicht verlier ich mich,
So lang schon such mein ICH,
Durchwogt von einer Welle,
Vergittert in der Zelle,
Verborgen, gar verkrochen,
Korrumpiert, vielleicht bestochen?
Der Fragen sind so viel,
So weit entfernt das Ziel.
Leb´ in der großen Masse,
Ideen leicht erfasse,
Doch fühl´ ich mich nicht wohl!
Verbogen, wohl erzogen,
Im Leben kaum gelogen,
Und doch mir selbst so fern,
Was ist mein ICH, mein Kern?
In Träumen kann ich fliegen,
Über Widrigkeiten siegen,
Mit leichtem Herzen leben,
Und herzlich Freundschaft pflegen.
Kluftig sind Tag und Nacht,
Was mir zu schaffen macht,
Zwei Leben in mir ranken,
Ein Lebenslauf mit Wanken.
Wenn Nächte doch nun Tage würden,
Leicht überspräng ich Tages-Hürden,
Lebte gerne, was ich bin,
Es steckt in mir so vieles drin!
So klingen Deine Worte,
Nachklang an jedem Orte,
Mein ICH erreichst DU stets,
Selbst wenn Du fragst: Wie geht´s?
Dies Labsal durch die Adern fließt,
Mein Herz pocht und mein ICH genießt,
Dass Du es täglich lockst hervor,
Derweil ich wie ein Ochs vorm Tor.
All meine Kräfte setz´ ich ein,
Möcht´ Dir und andern hilfreich sein!
Gemeinschaft bleibt das höchste Gut,
Mein ICH im DU entwickeln macht mir Mut.

Die zunehmende Atomisierung im Verhältnis zu sich selbst und anderen, der Dauer-Selbst-Optimierungszwang und die allmähliche Dauer-Erschöpfung im Alltag bei dem gleichzeitigen Gefühl, nicht genügen zu können, hast du mit Deinem Bild prägend zum Ausdruck gebracht, besonders auch durch das Fraktionale im Kontrast zum Figürlichen.
LG Misme